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Das Stadtschloss zwischen 1786 und 1945

Friedrichs Nachfolger, sein Neffe Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), hielt sich nur selten im Stadtschloss auf und ließ nur geringfügige Reparaturen vornehmen. Der Bau war jedoch der Lieblingsaufenthalt seines Sohnes Friedrich Wilhelms III. (1770-1840), der zunächst die von ihm und seiner Gemahlin, Königin Luise (1776-1810) bewohnten Räume im Westflügel um 1800 zurückhaltend klassizistisch umgestalten ließ. Elemente der friderizianischen Innenarchitektur (Türen, Plafonds, Fußböden) blieben dabei jedoch meistenteils erhalten. Einer völligen Neugestaltung wurden 1801-1804 lediglich die drei westlich an den Bronzesaal anschließenden Räume der Westwohnung Friedrichs des Großen (Audienzzimmer, Wohnzimmer, Kleine Galerie) unterworfen, die als offizielle Entréeräume zu den Wohnungen des Königspaars eine zeitgemäße Ausstattung erhielten. Die wohl nach dem Entwurf Johann Gottfried Schadows eingerichteten Räume (Blaue und Gelbe Paradekammer sowie das Etrurische Zimmer an der Südwestecke zum Lustgarten) standen künstlerisch auf der Höhe der Zeit und bildeten einen adäquaten Ersatz für die aufgegebenen Raumgestaltungen des Rokoko. Das Knobelsdorffsche Theater im Nordostpavillon wurde im Rahmen dieser Arbeiten ebenfalls beseitigt und in Wohnräume aufgeteilt. Für den Außenbau war die Vereinfachung des Daches bedeutsam, die durch Abnahme der vergoldeten Lambrequins und der Zierschornsteine erreicht wurde.

Nach 1818 wurde der Lustgarten nach dem Entwurf Peter Joseph Lennés im Sinne des zeitgenössischen Landschaftsgartens modernisiert.

Die nächsten nennenswerten Baumaßnahmen geschahen erst unter Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861), der das Stadtschloss seit 1823 bewohnte, doch waren auch diese relativ geringen Umfangs. Massive Umbauplanungen für das hofseitige Corps de Logis aus dem Jahre 1856, die auch den Verlust des Knobelsdorffschen Treppenhauses nach sich gezogen hätten, blieben unausgeführt.

Bis zum Ende der Monarchie in Preußen 1918 kam es nur noch zu geringfügigen Veränderungen im und am Stadtschloss, das nur noch auf geringes Interesse der jeweiligen Herrscher stieß und mehr und mehr zur Besichtigung offen stand. Seit 1932 wurde das inzwischen der preußischen Schlösserverwaltung unterstehende Gebäude überwiegend museal genutzt und zu diesem Zweck umfassend instandgesetzt; die Wohnung der Königin Luise wurde auf ihren Ursprungszustand zurückgeführt. Die kunsthistorisch weniger bedeutenden Räume wurden zum großen Teil durch die Potsdamer Stadtverwaltung genutzt. (TK)


Das kurz nach 1800 nach dem Entwurf Johann Gottfried Schadows eingerichtete Etrurische Zimmer im ersten Obergeschoss
(Foto: Max Baur / Bundesarchiv / Bild 170-249 / Max Baur / CC-BY-SA; Quelle, Lizenz)

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