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Das Schloss unter Friedrich III. / I. (1688-1713)

Die ersten Arbeiten am Postdamer Stadtschloss unter Friedrich III. bestanden neben Reparaturen in einer zurückhaltenden Vereinfachung des Äußeren, indem der laternenartige Aufbau auf dem Dach des Festsaalpavillons entfernt wurde. Auch fällt in diese Periode der Anbau der sog. "Grünen Treppe", deren flach geneigte zwei Läufe die Verbindung zwischen dem Festsaal und dem ein Geschoss tiefer gelegenen Lustgarten herstellten.

Die Selbstkrönung Friedrichs zum ersten König in Preußen im Januar 1701 in Königsberg stellte einen markanten Einschnitt auch in der Baugeschichte des Stadtschlosses dar. Mit der bereits kurz zuvor erfolgten Übernahme der Bauleitung durch Jean de Bodt war die Hinwendung zur zeitgenössischen französischen Architektur verbunden. Erster Beleg für den geänderten Geschmack des Königs wie für den Anspruchsrahmen, der an die nunmehr königliche Residenz gestellt wurde, war die Errichtung des Fortunaportals im Jahre 1701, die der Rangerhöhung Preußens baulich Ausdruck verleihen sollte (zum Panorama). Der die Höfe trennende Zwischenflügel wurde in diesem Zusammenhang abgerissen. Weitergehende Umgestaltungsprojekte sowohl de Bodts als auch Schlüters, die Pariser oder gar Wiener Einflüsse aufweisen, blieben unausgeführt. Realisiert wurden hingegen eine mit Pilaster- und Lisenengliederung erreichte Vertikalisierung der Fassaden der Pavillons, die Anlage reichgeschmückter Schornsteinaufbauten auf den Pavillondächern anstelle der abgenommenen Laternen sowie im Inneren die Umgestaltung des Marmorsaals durch Andreas Schlüter, der 1705 die Bauleitung übernommen hatte. Schlüters prachtvoll gestaltetes Hauptgesims in diesem wichtigsten Saal des Schlosses mit seinen großformatigen stuckierten Figuren blieb bis 1945 erhalten. Im Juli 1709 fand im umgestalteten Stadtschloss das Dreikönigstreffen Friedrichs I. in Preußen, Augusts II. (des "Starken") von Polen sowie Friedrichs IV. von Dänemark statt.

Ein weiterer Bestandteil der Maßnahmen war die Erweiterung und völlige Neugestaltung des Lustgartens, die als erste Übertragung des Modells des zeitgenössischen französischen Gartens auf eine großdimensionierte Gartenanlage im Heiligen Römischen Reich anzusehen ist. (TK)


Das 2001 rekonstruierte Fortunaportal war ursprünglich 1713 als Denkmal für die Krönung Friedrich I. zum König in Preußen errichtet worden

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